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Ärzteforum: Kontraindikationen

Stand der Informationen: Juni 2005
(Diese Informationen liegen auch als gesondertes Dokument vor!)

Thrombozytopenie und plasmatische Gerinnungsstörungen, typische Folgen der Lebererkrankung, stellen keine Kontraindikation für einen TIPS dar. Die organisierte Thrombose der Vena portae macht die TIPS Anlage unmöglich. Eine deutliche Reduktion der cardialen Auswurfleistung z.B. im Rahmen einer Herzinsuffizienz oder eines Vitiums auf <40% stellt eine Kontraindikation dar, da die arterielle Perfusion der Leber nicht ausreichend gesteigert werden kann, um die portale Durchblutungseinbuße zu kompensieren. Dementsprechend ist auch eine flussrelevante Stenose der A. hepatica oder des Truncus coeliacus vor Anlage eines TIPS durch Duplex-Sonographie auszuschließen. Angiographische oder computertomographische Untersuchungen sind zur Vorbereitung auf die TIPS-Anlage nicht erforderlich, sofern eine kompetente Duplex-sonographische Untersuchung gewährleistet ist.

Die TIPS-Anlage setzt eine kompensierte Leberfunktion voraus. Zahlreiche Publika-tionen belegen, dass die Bilirubinkonzentration ein besonders zuverlässiger Marker für den postinterventionellen Verlauf darstellt. Bilirubinkonzentrationen von > 3 mg/dl sind mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden (RR: 5.4, 95% CI: 1.4–10.2). Eine weitere Zunahme darüber hinaus erhöht die 30-Tage Mortalität nach TIPS um 40% für jedes 1 mg/dl Bilirubin-anstieg. Deshalb stellt eine Bilirubinkonzentration von > 3 mg/dl eine relative Kontraindikation für einen TIPS dar. Eine ähnliche Bedeutung für die Patientenselektion besitzt die hepatische Enzephalopathie. Jede klinisch erkennbare Form der Enzephalopathie muß Anlaß sein, die TIPS-Anlage zu vermeiden, es sei denn, die Dringlichkeit überwiegt. Diese Aussage gilt nicht uneingeschränkt. Wenn die Enzephalopathie auf eine Ursache zurückzuführen ist, die durch den TIPS behoben werden kann (z.B. intestinale Blutung, Exikkose unter forcierter diuretische Therapie, spontan bakterielle Peritonitis), ist die TIPS-Anlage mit englumigem Stent, gegebenenfalls unter zusätzlicher Therapie mit Propranolol, möglich.

Die Option einer Lebertransplantation spielt für die Indikation zur TIPS-Anlage keine Rolle. Die Erfahrung zeigt, dass der TIPS den Krankheitsverlauf so stark beeinflussen kann, dass die frühere Entscheidung für oder gegen eine Transplantation und eine eventuelle Listung für die Transplantation oft geändert werden müssen. Insbesondere bei Patienten mit therapierefraktärem Aszites sind erhebliche Veränderungen des Krankheitsverlaufes in beide Richtungen möglich, was eine Neuorientierung erfordert.